„Die Macht des Besonderen“ oder: LEGO – The Movie – ein Lehrfilm fürs Innovationsmanagement

Sicherlich: LEGO – The Movie könnte man als Dauerwerbesendung für LEGO-Sets und –Minifiguren abtun. Kein Grund jedoch, für die vielen – auch erwachsenen – Fans der bunten Plastikteilchen, sich vom Besuch des erfolgreichen Kinofilms abhalten zu lassen. Als Mutter zweier kleiner LEGO-Fans, die selbst mit LEGO aufgewachsen ist und es mit zunehmender Begeisterung auch für berufliche Zwecke einsetzt (Workshop-Moderation mit LEGO Serious Play ®), war der Besuch für mich quasi Pflicht.

Er hat sich gelohnt: Neben gut gemachter Unterhaltung kommt LEGO – The Movie mit einigen tiefergehenden Botschaften daher und ist ein Film, in dem es neben dem obligatorischen Kampf von Gut gegen Böse, verwoben mit einer Romanze, um Kreativität und Innovationsmanagement geht. Das passt auch insofern gut, als das LEGO selbst sich immer wieder als innovatives Unternehmen hervorgetan hat.

Präsident Lord Business kontrolliert mit seiner Firma die ganze LEGO-Welt (oder vielleicht sollte es angesichts der Fülle an LEGO-Themen besser „LEGO-Welten“ heißen). Alle LEGO-Menschen müssen sich in ihrem täglichen Leben an eine Reihe von „Anleitungen“ (schön: die Doppeldeutigkeit mit den LEGO-Bauanleitungen) halten. Diese Regeln dürfen sie nicht brechen, was auch durch den Sicherheitsapparat von Präsident Business gewährleistet wird. Regeln und Kontrollapparat führen gemeinsam dazu, dass es sich um ein quasi diktatorisch, top-down regiertes Reich handelt, in dem nur die Überanpassung, eingelullt in die allzeit präsente Hymne „Hier ist alles super!“, das Überleben sichert.

Eine Reihe von Widerstandskämpfern, die sogenannten „Meisterbauer“, wird gefangen gehalten. Meisterbauer sind die LEGO-Figuren, die besonders kreative Ideen haben, wie sie neue Modelle bauen können. Ihre Kreativität wird ihnen in der Gefangenschaft abgesaugt und von Präsident Business eingesetzt, um für ihn die von ihm gewünschten Modelle zu bauen. Zum einen kann er ihre Kreativität so nutzen, dass sie seinen Zwecken dient, zum anderen verhindert er so, dass sie Unruhe stiften, die überangepasste Gesellschaft aufrühren und seine Macht gefährden. Das lässt einen leicht an die Behandlung von Querdenkern in manchen Organisationen denken: Wer „zu viel“ Kreativität an den Tag legt, wird leicht als „gefährlich“ von den Mächtigen wahrgenommen und daher versucht, kalt zu stellen. Mit allen Konsequenzen, die dies für die Organisationskultur und innovatives Verhalten hat. Auch das für die Autonomie und damit für Motivation und Innovationskultur schädliche Mikromanagement ist ein Thema im Film. Sogenannte „Mikromanager“ werden von Präsident Business immer wieder eingesetzt, um dafür zu sorgen, dass die Minifiguren sich nur exakt so wie vorgegeben bewegen und keinen Deut von seinen Anleitungen abweichen. In der Realität sind es Manager, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haarklein vorschreiben, wie sie zu handeln haben, die jegliche Eigeninitiative im Keim ersticken.

Hauptfigur Emmet ist ein „Normalo“, ein Bauarbeiter, der einsam ist, gerne die TV-Show „Wo ist meine Hose?“ schaut, sich haarklein an die „Anleitungen“ hält und nicht an sich und seine Ideen glaubt. Durch einen Zufall findet er das Widerstandsteilchen und gerät in einen Strudel der Ereignisse, der sein bislang behütetes und überangepasstes Leben auf den Kopf stellt. Er wächst über sich hinaus und leistet Sachen, die er sich niemals selbst zu getraut hätte. Auch das ist eine Parallele zum Innovationsmanagement: In Innovationsprojekten können wir über uns hinauswachsen und Dinge erreichen, die wir selbst nie für möglich gehalten hätten, wenn denn die Bedingungen stimmen. Bei Emmet ist dies möglich, weil er durch den Fund des Widerstandsteilchens für den „Besonderen“ gehalten wird, auf den die anderen Minifiguren daher hören.

LEGO – The Movie ist damit ein Plädoyer für Kreativität, für eigene Ideen (und das Bauen jenseits von vorgegebenen (LEGO-) Anleitungen) und für „die Macht des Besonderen“, die in jedem von uns steckt. Fazit: Ein unterhaltsamer Film, der auch von dem Spiel mit verschiedenen Ebenen (mehr sei an dieser Stelle nicht verraten) lebt und überraschend vielschichtig ist.

Welche Lektionen LEGO – The Movie aus meiner Sicht zum Thema „Innovationsmanagement“ beinhaltet, dazu mehr im nächsten Beitrag.

Wie haben Sie den Film empfunden? Welche Parallelen zur Arbeitswelt oder anderen Aspekte fanden Sie besonders interessant?

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