Im Namen der Innovation: Wach bleiben und „stören“

„Firmen und Teams, die innovative Arbeit leisten, brauchen zumindest einige Mitstreiter, die nur langsam lernen, wie Dinge ‚angeblich gemacht werden‘ sollten.“ (Sutton, 2/2005: S. 9)

Wer nicht alles automatisch so macht, wie „man“ es macht, wird leicht als störend wahrgenommen, da er oder sie bestehende Verhältnisse in Frage stellt und „stört“. Professionelle „Störer“ können die Überanpassung oder andere Formen der Passivität bei anderen Personen stoppen. Indem sie genau hinschauen, mit Fragen wachrütteln oder sich anders verhalten als alle anderen, fördern sie die Innovationsfähigkeit einer Organisation. Sie demonstrieren damit, dass es andere Möglichkeiten gibt, zu denken oder zu handeln und können damit Innovationspotentiale wahrnehmbar machen.

Manchmal wird aber alleine das Stellen von Fragen als störend wahrgenommen, so dass bereits viel Mut dazu gehören kann. Dabei ist die Fähigkeit, eine neugierige, fragende Haltung beizubehalten oder immer wieder einzunehmen, eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Innovationen. In Kreativitätstechniken ist dieses systematische „Stören“ wichtiger Bestandteil, der uns dabei hilft, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Da passives Denken und Verhalten eine Form ist, wie sich Widerstand gegen Wandel in der Praxis äußern kann, ist es wichtig, es immer wieder systematisch zu stören.

Professionellen Störern fällt es auf, wenn passives Denken im Spiel ist. Sie sehen einen Wert darin, bewusst eingefahrene Bahnen aufzubrechen und eingefahrenes Denken zu „stören“. Dabei sind sie nicht notwendigerweise laut oder notorische „Querulanten“. Richtig professionell werden diese „Störer“ dadurch, dass sie sich professionell verhalten, indem sie stimmig und wertschätzend kommunizieren – und autonom handeln.

Was kann ich selbst tun, um ein professioneller „Störer“ zu sein?

  • Selbst immer „wach“ und bereit sein, Bestehendes zu hinterfragen. Achtsam sein und bewusst meine Gefühle wahrnehmen. Auch achtsam sein für Signale aus der Außenwelt, das Verhalten von Kundinnen und Kunden, Markttrends etc.
  • Meinen Stress gut managen. Denn „negativer“ Disstress fördert angepasstes Verhalten. Wenn ich darauf achte, dass es mir gut geht, kann ich eher angemessen im „Hier und Jetzt“ handeln und nicht aus überkommenen Verhaltensmustern heraus.
  • Mich selbst in Frage stellen und das eigene Verhalten reflektieren. Auch, um mich weiterentwickeln zu können: Wo setze ich mir bislang selbst unnötige Grenzen und schränke mich ein, meine Fähigkeiten einzusetzen? Wie könnte ich mich in welchen Situationen anders verhalten, um so negative Entwicklungen zu stoppen oder umzukehren?
  • Zu mir selbst ehrlich sein und negative Entwicklungen nicht ausblenden, sondern sie mir bewusst machen, um darauf reagieren zu können. Nur so gibt es die Chance zu einer angemessenen Handlung.
  • Vermeintlich unlösbare Probleme immer wieder hinterfragen und versuchen, neue Denkwege einzuschlagen. Möglicherweise ist das Problem gar nicht unlösbar.
  • Neues wagen. Ausgetretene Pfade verlassen. Das kann auch ruhig wortwörtlich genommen werden, zum Beispiel, indem ich bei einem Spaziergang einen unbekannten Weg gehe, mich von den neuen Eindrücken inspirieren lasse, und diese Erfahrung in die Arbeitswelt übertrage.

 

Literatur:

Sutton, Robert I.; Der Kreativität den Boden bereiten, in: Harvard Business Manager – Edition mit Fallstudie; Kreativität – Wege zu erfolgreicher Innovation; 2/2005: S. 9

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