Passives Denken trübt die Innovationsfähigkeit

Passives Denken führt dazu, dass die Realität durch bestimmte Wahrnehmungsfilter betrachtet und dabei in Gedanken abgewertet wird, bestimmte Teile systematisch nicht wahrgenommen werden. Dies kann unser eigenes Wohlbefinden stark beeinträchtigen, ebenso die Möglichkeit, Chancen in unserem Leben zu realisieren, weil sie oder die eigenen Handlungsoptionen schlichtweg nicht wahrgenommen werden. Dies kann gerade auch für die Realisierung von Innovationschancen bzw. -notwendigkeiten gelten.

Beispiel: Ein Gastronom verzeichnet seit geraumer Zeit sinkende Umsätze. Seine Erklärung: „Die jungen Leute heute wissen gutes, ehrliches Essen einfach nicht zu schätzen und gehen halt lieber woanders hin. Da kann man nichts machen.“ Dass er angesichts ausbleibender Gäste verschiedene Handlungsoptionen prüfen könnte, etwa seine Öffnungszeiten oder die Inneneinrichtung zu verändern, innovative Speisen zu kreieren oder sein Geschäftsmodell komplett über den Haufen zu werfen (gesundheitsbetontes Buffetkonzept anstelle des betulichen, gutbürgerlichen Restaurants), kommt ihm nicht in den Sinn. Wie auch, wo er doch eine generelle Veränderbarkeit der Situation oder zumindest seine eigenen Einflussmöglichkeiten leugnet.

Damit befindet er sich auf Stufe 3 oder Stufe 4 des passiven Denkens:

  1. Die Existenz eines Problems wird geleugnet: „Wieso sollten wir etwas ändern, es gibt doch gar kein Problem.“ (Es wird dabei z.B. leider „übersehen“, dass der Umsatz seit langer Zeit rückläufig ist.)
  2. Die Bedeutung eines Problems wird heruntergespielt: „Ach, die paar unzufriedenen Kunden, … Das waren doch nur Einzelfälle!“
  3. Das Problem wird als unvermeidbar, nicht anders lösbar dargestellt: „Unser Restaurant müsste vielleicht mal renoviert werden. Aber es ist kein Geld da. Da kann man nichts machen.“
  4. Die Möglichkeit, sich anders zu verhalten, wird geleugnet: „Ich merke ja, dass es nicht so toll läuft, aber ich kann nichts daran ändern.“

 

Wie sich die Überanpassung, als eine Form passiven Verhaltens, auf die Realisierung von Innovationen auswirken kann, habe ich im vorangegangenen Beitrag dargestellt. Weitere Erscheinungsformen passiven Verhaltens sind das Nichtstun, Agitation und Gewalt (vgl. Gührs, Manfred; Nowak, Claus; Das konstruktive Gespräch – Ein Leitfaden für Beratung, Unterricht und Mitarbeiterführung mit Konzepten der Transaktionsanalyse; Limmer, Meezen, 6. Auflage, 2006, S. 184 ff.). Beim Nichtstun wird, richtig: Nichts getan. Dies ist es wohl, was sich die meisten von uns in erster Linie unter Passivität vorstellen.

Aber passives Denken kann auch – ganz im Gegenteil – nach außen hin sehr aktiv aussehen. Dies ist bei der Agitation der Fall: Es herrscht viel Betriebsamkeit, aber bei näherer Betrachtung wird ziellos gehandelt, purer hektischer Aktionismus. „Jemand ist sehr aktiv und fängt z.B. ständig etwas Neues an oder stellt sehr viele Fragen. Agitation ist oft schwierig zu erkennen und noch schwieriger mag es sein, darin eine passive Verhaltensweise zu erkennen. Es handelt sich dabei jedoch um eine passive Verhaltensweise, weil dabei die eigene Verantwortung durch Ablenkung auf andere abgeschoben wird. Die höchste Steigerungsstufe passiver Verhaltensweisen stellt die Gewalt dar. Dazu kann auch autoaggressives Verhalten gehören, wie der Konsum von Drogen. Die Aggression stellt insofern eine passive Verhaltensweise dar, als die Person sich damit unfähig macht und sich der Verantwortung entzieht, selbst ein Problem zu lösen.“ (Fingerle, Birgit Inken; Sich und andere führen – Wandel in Bibliotheken aktiv gestalten; 2013: S. 56 f). Dazu kann auch verbale Gewalt zählen.

Gerade die – von außen ziellos, aktionistisch wirkende – Hektik der Agitation scheint aber eine häufig und „gerne“ verwendete Taktik zu sein, um Innovationen gezielt oder unbewusst zu blockieren. Man ist ja eh schon so beschäftigt, wer sollte da schon Zeit finden, sich eingehende Gedanken über die Zukunft zu machen oder ein neues Projekt anzuschieben?

Das Wissen über passives Denken kann uns helfen, zu erkennen, wenn es das Verhalten in unserem Wirkungskreis beeinflusst. Es zu erkennen hilft uns, selbst nicht in seinen Sog gezogen zu werden. Damit haben wir gute Voraussetzungen, passives Denken in unserem Umfeld zu bekämpfen, den Blick für neue Handlungsoptionen zu öffnen, und so die Innovationsfähigkeit zu steigern.

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