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Vom Schreiben fürs Leben lernen – Teil 3: Innehalten – Stimmen Richtung und Gefühl noch?

Ein Buch zu schreiben ist wie eine große Reise. Eine Reise, die in der Regel mindestens einige Monate dauern wird. Unterwegs auf so einem weiten Weg kann allerhand passieren. Wir können vom Kurs abkommen, in unwegsames Gelände oder ungünstige Witterungsbedingungen geraten. Unangenehme Gefühle können auftauchen.

Wie gehe ich damit um, wenn dadurch mein Reiseziel möglicherweise in Gefahr gerät? Überspielen oder wegdrücken? Sich den Gefühlen hingeben und alle Pläne über den Haufen werfen? Oder ruhig und vorsichtig hinschauen und hinspüren?

Gefühle haben eine wichtige Botschaft für uns. Sie können eine wertvolle Funktion ausüben und uns helfen, weiterzukommen. So kann mir Ärger die Energie für Veränderungen schenken oder Traurigkeit mir helfen, etwas Altes loszulassen, eine überholte Verhaltensweise etwa (vgl. Sich und andere führen – Wandel in Bibliotheken aktiv gestalten, S. 86). Wir müssen unseren Gefühlen nur Gehör schenken. Auch wenn sie unangenehm sind. Richtig schwierig wird es nämlich meistens dann, wenn wir ihnen keine passende Beachtung schenken. Dann können sie unsere gesamte Reise torpedieren.

In der Hektik des Alltags kann es leicht vorkommen, dass wir nicht richtig wahrnehmen, dass sich unsere Gefühle verändern. Fast unmerklich kann so beispielsweise aus der Freude am schreiben das Gefühl werden, mit dem fertigzustellenden Buch eine große Last mit sich herumzutragen, vielleicht auch die Angst, es nicht rechtzeitig fertigstellen zu können. Um solch schleichenden Entwicklungen zuvorzukommen, die uns die Freude am Gesamtziel verderben können, ist es wichtig, immer wieder Pausen auf der langen Reise einzulegen. Momente zum Innehalten und zum hin spüren:

  • Stimmt die Richtung noch?
  • Ist das Ziel immer noch das richtige?
  • Wie fühle ich mich auf meiner Reise?

 
Möglicherweise ist das Ziel noch das richtige, aber von unguten Gefühlen begleitet, weil ich z.B. meinen Kindern oder Freunden gegenüber ein schlechtes Gewissen habe, da ich kaum noch Zeit für sie habe. Dann bietet mir das genaue Hinhören die Chance, umzusteuern. Das Ziel zwar nicht aus dem Blick zu verlieren, aber es auf anderem Wege erreichen. Eine andere Art zu arbeiten könnte mir beispielsweise die Möglichkeit geben, erfolgreich mein Buch zu schreiben und dennoch genügend Zeit mit den mir wichtigen Menschen zu verbringen.

Vielleicht fühlt sich die Arbeit auf das Ziel hin nur noch krampfig an. Der Spaß an der Reise ist unterwegs verloren gegangen. Anstrengung statt Leichtigkeit kennzeichnen die Reiseroute. Möglicherweise bin ich in wiederkehrende Verhaltensmuster gerutscht, die mich in meinem Verhalten einschränken (vgl. Sich und andere führen – Wandel in Bibliotheken aktiv gestalten, S. 52 ff.). In jedem Fall wird eine erfolgreiche Zielerreichung so gefährdet. Zum einen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich unterwegs aussteige, wenn es keinen Spaß mehr bringt, zum anderen senkt es höchstwahrscheinlich die Qualität meiner Arbeit, wenn ich mich daran verbeiße, keinen spielerischen Zugang und keinen gesunden Abstand mehr zu ihr finde. Dies sollte ich aber anstreben, denn ich kann dann mein Ziel gut erreichen, wenn ich spielerisch und voller Freude arbeiten kann.

Möglicherweise ist nicht alles angenehm, was ich in diesen Momenten des Innehaltens spüre. Aber die so gewonnene Bewusstheit gibt mir die Möglichkeit, etwas zu verändern, mich und mein Leben gut zu führen. Aus diesem Grund habe ich in „Sich und andere führen“ dem Reflektieren als dem Ursprung guter Führung einen eigenen Abschnitt gewidmet. „Reflektieren sollte der Anfang und das Ende von allem sein“ (Sich und andere führen – Wandel in Bibliotheken aktiv gestalten, S. 159), von jedem Projekt, von jedem Zwischenschritt auf dem Weg. In diesem Sinne begann auch die Arbeit an meinem Buch mit dem Reflektieren über seinen Inhalt und mit der Planung der Reise – und endet nun hier mit der Reflektion der langen Reise, die bis zu seiner Fertigstellung andauerte. Damit verbinde ich die Hoffnung, dass diese Reisetipps nicht nur mir beim Schreiben des nächsten Buches hilfreich sein werden, sondern auch anderen ihre Reisedurchführung erleichtern werden.

 

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